notesofmalt - whiskyblog
tastingsnotes

Glen Mhor

Im Jahre 1892 durch John Birnie und John Mackinlay gegründet, welche 1920 auch die damals direkt gegenüberliegende Brennerei Glen Albyn kauften, blieb Glen Mhor bis 1972 in Familienbesitz und wurde anschließend an die Distillery Company Limited (DCL) verkauft. Der Großteil des Whiskys ging immer schon in die Blend-Industrie, der unabhängige Abfüller Gordon & MacPhail bot Glen Mhor bereits in den 1960er Jahren als Single Malt an.

Benannt wurde die Brennerei nach dem Tal in welchem sie stand, dem Great Glen, denn „gleann Mhor“ bedeutet auf Gälisch nichts anderes als "großes Tal". Geplant und erbaut wurden die steinernen Gebäude durch den Architekten Charles Chree Doig.

Aus der Sammlung von Rodney Burtt. Mehr: glenmhorwhisky.com

Lange ging man davon aus, dass die Brennerei mit zwei Brennblasen gearbeitet hat, mit einer Wash-Still (8128 Liter) sowie einer Spirit-Still (6919 Liter). Jüngere Recherchen ergaben jedoch, dass eine Dritte bereits im Jahr 1925 installiert wurde. Die beiden ersten Originalbrennblasen stammen vom Glasgower Unternehmen Fleming, Bennet & McLaren. Die später eingebaute Still fasste 12.274 Liter. 

Ab dem Jahr 1949 wurden in der Mälzerei so genannte "Saladin Boxes" installiert. Diese Kastenmälzerei löste die vorher verwendeten klassischen Malzböden ab und belieferte auch die benachbarte Brennerei Glen Albyn. Bis zur Schließung der eigenen Mälzerei wurde überwiegend lokal angebaute Gerste der Sorten "Golden Promise" und "Triumph" verwendet, alte Aufzeichnungen belegen für die Zeit 1894 bis 1922 auch die Verwendung ausländischer Gerste. Als Wasserquelle diente offiziellen Angaben nach der River Ness, das Wasser selbst wurde jedoch vom Caledonian Canal entnommen.

1980 erfolgte dann die Schließung der Mälzerei. Durch die Konzentration der Brennereien in Konzernen nutzte man die Synergien der industriellen Großmälzereien. Nur drei Jahre später folgte die Brennerei selbst, zu lange wurde nicht in die Instandhaltung investiert und neben der entfachten Whiskykrise stand nun eine generelle Renovierung der Gebäude sowie Produktionsanlagen an. Zu dem damaligen Zeitpunkt wurde Glen Mhor plötzlich unrentabel und 1983 geschlossen. Doch wer jetzt darauf hofft, dass irgendwer vielleicht mal irgendwann die Brennerei reaktiviert, wird auch hier enttäuscht. Im Jahre 1986 wurden die Gebäude vollständig abgerissen und die ca. 40.000 Fässer der Brennereien auf andere Diageo-Standorte verteilt, heute steht auf dem ehemaligen Gelände ein großer Supermarkt. 

Titelbild und weitere Informationen zur Brennerei: glenmhorwhisky.com

Tastingnotes

Glen Mhor 1976-2005, 28 Jahre, 51,9% Originalabfüllung (Rare Malts). Ausbau: Bourbon- und Sherryfässer

Nase: Sanft und schmeichelnd, mit Bienenwachs und diversen Feldblumen, Pflaumen und leichte Aromen von Kokos und Sahne. Dazu ein wenig Brombeere und Aprikose. Im Hintergrund etwas Malz und einige nussige Aromen, alles in allem sehr fein.

Gaumen: Ganz anders - sehr kräftig und bissig. Das Malz schiebt sich stark in den Vordergrund und wird von etwas Zigarrenrauch begleitet. Dahinter finden sich Oliven, unreife Banane und  einiges an bitterer Eiche.

Abgang: Sehr lang, trocken und sogar etwas salzig. Viel Malz und einiges an trockenen Holzaromen. Auch hier kommt der Zigarrenrauch noch einmal etwas hervor.

Fazit: Tja, Glen Mhor. Spannend und außergewöhnlich, nicht einfach zu trinken. Wer aber Spaß an solchen Whiskys hat, sollte diese seltene Abfüllung mal probieren! 87/100 Punkte (2016)


Unabhängige Abfüllungen 

Glen Mhor 8 Jahre, 40% alc. Abfüller: Gordon & MacPhail (1970er Jahre). Ausbau: unbekannt

Nase: Krass. Wo fange ich an. Ich finde hier feuchten Lehmboden neben Gräsern und einer kräftigen Fruchtigkeit, Birnenkompott.. Dazu kommen Schwarztee und gebratene Lammlachse. Im Hintergrund halten sich ganz zarte Raucharomen, etwas Asche und Ruß, Maschinenöl und Thymian.

Gaumen: Genauso eigenartig. Fruchtig aber seifig, parfümierte Seife. Abgestandener Schwarztee trifft auf Walnüsse und eine spezielle Kräutermischung aus Thymian, Lorbeer und Estragon. Außerdem finde ich dunkle Bratensauce und dieser Geschmack von absolut zu lange gebratenem Rindfleisch.

Abgang: Lang, fettig und ölig. Brathähnchen in Kräutermantel, etwas Milchschokolade und bittere Eiche.

Fazit: Glen Mhor… so speziell, so einzigartig und so schade ist es um diese Brennerei. 85/100 Punkte (2022)


Glen Mhor 8 Jahre, 40% alc. Abfüller: Gordon & MacPhail (Distillery Label, 1980s). Ausbau: Keine Angabe

Nase: Dickes Karamell neben roten Äpfeln, Zuckerguss, altem Tabak und etwas feuchter Pappe. Dahinter finde ich dann vor allem Orangenkonzentrat und verschiedene Röstaromen, hier wurde ein wenig Toast zu stark angebrannt, auch grüner Tee ist mit dabei. Nach ein paar Minuten kommt eine ferne Mischung aus Rauch und Altreifen auf, dazu zarte Anklänge von Milchkaffee.

Gaumen: Überraschend cremig, kenne ich von Glen Mhor gar nicht. Auch hier wieder sehr viel Milchkaffee und dazu Orangenlikör, ein paar Walnüsse und Tabak, etwas Wachs und die leicht chemische Süße, wie ich sie oft bei Glen Mhor finde. Etwas Kunststoff und Leder, zum Ende hin ziemlich kräftige und leicht bittere Eiche mit zarten Pfeffernoten.

Abgang: Mittellang, macht weiter wie auf dem Gaumen und stellt die leicht künstliche Süße in den Vordergrund. Dazu Mandarinen, Eichenholz, etwas Druckerschwärze und feuchtes Zeitungspapier. Zum Abschied gibt es dünnen Filterkaffee und eine ganz milde Spur Zimt.

Fazit: Ein polarisierender aber richtig genialer Whisky. So einige Aromen würde man heute wohl als Fehlnoten verstehen, ich liebe sie einfach. 86/100 Punkte (2022).


Glen Mhor 8 Jahre, abgefüllt in den 1980er Jahren, 57% alc. Abfüller: Gordon & MacPhail

Nase: Wie bei älteren Abfüllungen florales Parfüm, Gras und Heu, leicht fleischig und zäh, auch leicht ölig. Der Geruch von abgestandenem Schwarztee kommt auf, dazu eine leichte Kräuternote. Dahinter erscheinen dreckiger Rauch, Kunststoff, Wachs und Gummi.

Gaumen: Stark im Antritt, süß und fruchtig, mit Gewürzen und getrockneten Früchten, darunter Apfelringe, Pfirsiche und Aprikosen. Ergänzt wird die Frucht durch ersten Eichenholzeinfluss und Pfeffer. 

Abgang: Lang und etwas muffig, feuchter Keller. Die Früchte sind dunkler, süße Beeren treten in den Vordergrund. Der Abgang wird von der Eiche abgerundet. 

Fazit: Jung, stürmisch und "anders", für das Alter schon sehr komplex. Äußerst seltener Single Malt, sehr schwierig zu bekommen.  87/100 Punkte (2015). Ich danke Markus Rosanowski (Whisky-Kabinett) für diese großzügige Probe!


Glen Mhor 15 Jahre, 40%, abgefüllt in den 1990er Jahren. Abfüller: Gordon & MacPhail. Ausbau: unbekannt

Nase: Grüne Äpfel, Stachelbeeren und Limetten, Kiwi und Grapefruit. Daneben parfümierte Seife und Reifenproduktion, Getreide, Müsli und etwas Pfeffer. Im Hintergrund etwas Torffeuer sowie verkohltes Plastik. 

Gaumen: Robust, nur noch ganz wenig Frucht, dafür einige Bitteraromen. Verbrannter Käsekuchen, geröstetes Malz, Torfrauch und ein wenig Estragon. 

Abgang: Sehr lang und viele Bitterstoffe, Karamell, Johannisbeeren und Aftershave. 

Fazit: Eigenwillig und selten. Ein Single Malt aus früheren Zeiten. 86/100 Punkte (2015)


Glen Mhor 1965 - 1997, 32 Jahre, 40% alc.  Abfüller: Gordon & MacPhail. Ausbau: unbekannt, farblich eher mit hohem Sherryfassanteil

Nase: Tiefdunkle Holzaromen, feuchte Erde, Sumpf und einiges an Schwarztee, daneben Mango und Aprikose, etwas Honigmelone. Dahinter bitteres Kakaopulver und ein Hauch von Ingwer. Mit der Zeit wird das Holz etwas feiner, frisch gesägte Rotbuche und Zedernholz.

Gaumen: Anfangs ein bitterer Schlag ins Gesicht. Bitterste Grapefruit, Eichentannine ohne Ende, verbranntes Karamell - gemischt mit Desinfektionsmittel und Jod. Danach lösen sich die Aromen etwas, Karamell, Zuckerrübensirup, Zuckerrohr, Honig und getrocknete Johannisbeeren. 

Abgang: Lang, viel Eiche und etwas Ahornsirup, Kaffeeschokolade, Blutorangen und etwas Lavendel. Zum Ende hin eine ganz leicht Schwarzpulver. 

Fazit: Sehr komplexes Teil mit heftigen aber auch sehr spannenden Kanten. Auch geschmacklich tendiere ich hier zu einem Sherryfass. 90/100 Punkte (2015)


Glen Mhor 1975 - 2005, 30 Jahre, 51,2% alc.  Abfüller: The Whisky Shop (Glenkeir Treasures) Ausbau: nicht näher bekannt

Nase: Buttrig, mild und nussig. Dunkles Mehl, Erdnüsse und leichte Fruchttöne, insbesondere Sommeräpfel und reife Birnen. Diese sehr angenehmen Aromen sind in chemisch wirkenden Rauch eingebunden, irgendwie typisch Glen Mhor. Dazu kommt dann ein wunderbarer Duft von Bienenwachs.

Gaumen: Wachs, sehr viel Bienenwachs. Dazu eine chemisch/bittere Kante, Holzrauch, Torf und wieder die Erdnüsse, diesmal sogar gesalzen. Die Früchte sind nur sehr schwer aufzuspüren.

Abgang: Lang, prickelnd, mit Zimt und gezuckerten Johannisbeeren, einiges an Holzzucker. Die Eiche verweilt eine Ewigkeit.

Fazit: Sprunghaft, irgendwie passen die Kategorien weder in sich - noch überhaupt zueinander. Dieses Chaos ist trotzdem liebenswert. 85/100 Punkte (2016)


Glen Mhor 1980 - 2011, ca. 31 Jahre, 43% alc. Abfüller: Gordon & MacPhail. Ausbau: Sherryfässer (refill)

Nase: Süßlich und sehr floral, etwas parfümierte Seife, Äpfel und saftige Aprikosen. Es folgen rasch Holzaromen, Kräuternoten und später zarte Vanille. Dazu auch etwas Malz und Schnittlauch, am Schnittlauch hängt ein wenig nasse Erde.

Gaumen: Erst leicht im Antritt, wird dann deutlich schwerer und fleischig. Gewürze, Eiche und wieder die Kräuter (darunter Petersilie, Porree) und Aprikosen, zudem kommt der Geschmack von unreifen Pfirsichen auf. Dahinter Butterstreusel und Limette. 

Abgang: Lang und mit süßen Orangen sowie Grapefruits, etwas Eichenholz und Leder. 

Fazit: Ungewöhnlich aber verdammt interessant. Leider nur noch schwer erhältlich. 85/100 Punkte (2015 und zuletzt 2021)


Glen Mhor 1982 - 2011, 29 Jahre, 51,0% alc. Abfüller: Signatory Vintage. Ausbau: Bourbon Hogshead 1604

Nase: Sehr viel Ahornsirup neben mürben Äpfeln, säuerlichen Stachelbeeren, Plastik und feuchter Holzkohle. Dazu Honigmelone mit Räucherschinken, es folgen Bienenwachs, Mirabellen und grüner Tee, zudem entfernt Lorbeerblätter. Auch ein wenig durchnässte Pappe kann ich finden.

Gaumen: Kräftig und süß. Kandiszucker, Kräuterbonbons und getrocknete Apfelringe, Salmiak und Lakritze, etwas Anis und Meersalz, Tafelkreide. Dazu recht kräftiger Schwarztee sowie frische Aprikosen, und ein künstliches Erdbeeraroma. Zum Abschluss angebrannter und bitter wirkender Pfeffer.

Abgang: Sehr lang mit einer milden Trockenheit und angenehmer Würze. Aromatisch verlängert der Abgang den Eindruck des Gaumens, die Bitterkeit nimmt wieder etwas ab, dafür kommen viel prickelnde Eiche mit Zimt und Salmiak, etwas Kiefernharz, altes Zeitungspapier und dunkles Karamell. Ein pappig süßes Mundgefühl bleibt zurück.

Fazit: Wieder so ein komplexes Schwergewicht mit spannenden Aromen, die wohl eher eine kleine Fangemeinde ansprechen - ein klassischer Glen Mhor eben. 86/100 Punkte (2022)

 
 
 
 
E-Mail
Infos
Instagram