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Hier finden Sie alle verkosteten Abfüllungen von Glen Mhor

Die Brennerei Glen Mhor lag in der Stadt Inverness und wurde 1983 geschlossen, nachdem wenige Jahre zuvor schon die eigenen Malzböden aufgegeben wurden. Danach gibt alles sehr schnell, 1986 erfolgte der Abriss. Heute befindet sich auf Standort der früheren Brennerei ein Supermarkt-Parkplatz. 


Glen Mhor 8 Jahre, abgefüllt in den 80er Jahren, 57% alc. Abfüller: Gordon & MacPhail

Nase: Wie bei älteren Abfüllungen florales Parfüm, Gras und Heu, leicht fleischig und zäh, auch leicht ölig. Der Geruch von abgestandenem Schwarztee kommt auf, dazu eine leichte Kräuternote. Dahinter erscheinen dreckiger Rauch, Kunststoff, Wachs und Gummi.

Gaumen: Stark im Antritt, süß und fruchtig, mit Gewürzen und getrockneten Früchten, darunter Apfelringe, Pfirsiche und Aprikosen. Ergänzt wird die Frucht durch ersten Eichenholzeinfluss und Pfeffer. 

Abgang: Lang und etwas muffig, feuchter Keller. Die Früchte sind dunkler, süße Beeren treten in den Vordergrund. Der Abgang wird von der Eiche abgerundet. 

Fazit: Jung, stürmisch und "anders", für das Alter schon sehr komplex. Äußerst seltener Single Malt, sehr schwierig zu bekommen.  87/100 Punkte (2015). Ich danke Markus Rosanowski (Whisky-Kabinett) für diese großzügige Probe!


Glen Mhor 15 Jahre, 40%, abgefüllt in den 1990er Jahren. Abfüller: Gordon & MacPhail. Ausbau: unbekannt

Nase: Grüne Äpfel, Stachelbeeren und Limetten, Kiwi und Grapefruit. Daneben parfümierte Seife und Reifenproduktion, Getreide, Müsli und etwas Pfeffer. Im Hintergrund etwas Torffeuer sowie verkohltes Plastik. 

Gaumen: Robust, nur noch ganz wenig Frucht, dafür einige Bitteraromen. Verbrannter Käsekuchen, geröstetes Malz, Torfrauch und ein wenig Estragon. 

Abgang: Sehr lang und viele Bitterstoffe, Karamell, Johannisbeeren und Aftershave. 

Fazit: Eigenwillig und selten. Ein Single Malt aus früheren Zeiten. 86/100 Punkte (2015)


Glen Mhor 1965 - 1997, 32 Jahre, 40% alc.  Abfüller: Gordon & MacPhail. Ausbau: unbekannt, farblich eher mit hohem Sherryfassanteil

Nase: Tiefdunkle Holzaromen, feuchte Erde, Sumpf und einiges an Schwarztee, daneben Mango und Aprikose, etwas Honigmelone. Dahinter bitteres Kakaopulver und ein Hauch von Ingwer. Mit der Zeit wird das Holz etwas feiner, frisch gesägte Rotbuche und Zedernholz.

Gaumen: Anfangs ein bitterer Schlag ins Gesicht. Bitterste Grapefruit, Eichentannine ohne Ende, verbranntes Karamell - gemischt mit Desinfektionsmittel und Jod. Danach lösen sich die Aromen etwas, Karamell, Zuckerrübensirup, Zuckerrohr, Honig und getrocknete Johannisbeeren. 

Abgang: Lang, viel Eiche und etwas Ahornsirup, Kaffeeschokolade, Blutorangen und etwas Lavendel. Zum Ende hin eine ganz leicht Schwarzpulver. 

Fazit: Sehr komplexes Teil mit heftigen aber auch sehr spannenden Kanten. Auch geschmacklich tendiere ich hier zu einem Sherryfass. 90/100 Punkte (2015)


Glen Mhor 1980-2011, ca. 31 Jahre, 43% alc. Abfüller: Gordon & MacPhail. Ausbau: Sherryfässer (refill)

Nase: Süßlich und sehr floral, etwas parfümierte Seife, Äpfel und saftige Aprikosen. Es folgen rasch Holzaromen, Kräuternoten und später zarte Vanille. Dazu auch etwas Malz und Schnittlauch, am Schnittlauch hängt ein wenig nasse Erde.

Gaumen: Erst leicht im Antritt, wird dann deutlich schwerer und fleischig. Gewürze, Eiche und wieder die Kräuter (darunter Petersilie, Porree) und Aprikosen, zudem kommt der Geschmack von unreifen Pfirsichen auf. Dahinter Butterstreusel und Limette. 

Abgang: Lang und mit süßen Orangen sowie Grapefruits, etwas Eichenholz und Leder. 

Fazit: Ungewöhnlich aber verdammt interessant. Leider nur noch schwer erhältlich. 85/100 Punkte (2015 und zuletzt 2021)


Glen Mhor 1975 - 2005, 30 Jahre, 51,2% alc.  Abfüller: The Whisky Shop (Glenkeir Treasures) Ausbau: nicht näher bekannt

Nase: Buttrig, mild und nussig. Dunkles Mehl, Erdnüsse und leichte Fruchttöne, insbesondere Sommeräpfel und reife Birnen. Diese sehr angenehmen Aromen sind in chemisch wirkenden Rauch eingebunden, irgendwie typisch Glen Mhor. Dazu kommt dann ein wunderbarer Duft von Bienenwachs. 

Gaumen: Wachs, sehr viel Bienenwachs. Dazu eine chemisch/bittere Kante, Holzrauch, Torf und wieder die Erdnüsse, diesmal sogar gesalzen. Die Früchte sind nur sehr schwer aufzuspüren.

Abgang: Lang, prickelnd, mit Zimt und gezuckerten Johannisbeeren, einiges an Holzzucker. Die Eiche verweilt eine Ewigkeit. 

Fazit: Sprunghaft, irgendwie passen die Kategorien weder in sich - noch überhaupt zueinander. Dieses Chaos ist trotzdem liebenswert. 85/100 Punkte (2016)









 
 
 
 
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