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Glenside 

Glenside, Glenside Street, Campbeltown (1830 - 192) 

Eine weitere der frühen Brennereien in Campbeltown war Glenside, direkter Nachbar von Dalaruan, erbaut an der Glenside Street. Das Gelände lag südlich der Dalaruan Street, westlich der Broad Street. Die Glenside Street ist heute der nördliche Teil der Mill Street.

Beim Gründungsdatum wird es schon kompliziert, denn es finden sich zwei Angaben und unterschiedliche Gründer. Laut Brain Townsend wurde die Brennerei 1834 durch David Anderson, James Armour und Jessie Miller gegründet, Alfred Barnard und auch James Eadie schreiben jedoch von 1830, der Name John Marshall fällt. Es kann natürlich sein, dass letzterer an der Stelle mit dem Destillieren begonnen hat und die Herren um Anderson 1834 dann die legale Brennerei gründeten. Ich muss erst einmal mit beiden Daten leben. In den Folgejahren wechselte die Brennerei sowieso mehrfach die Eigentümer.

Auch hier blende ich einen Kartenabschnitt unten ein, wir sehen dort die Brennerei im Jahr 1866 und daneben der Versicherungsplan der Stadt Campbeltown von 1898 mit den Gebäudedetails. 

Alfred Barnard beschreibt 1885 eine ungleichmäßige Ansammlung von Gebäuden, ein Grundstück mit Brunnen und Wasserleitung aus dem Aucholochie Loch (….versucht das mal auszusprechen).

Im Gespräch mit dem Manager betont dieser, dass es keine Absichten für moderne Neubauten gäbe, denn die würden den Whisky auch nicht besser machen.

1885 verfügte Glenside über drei Malt Barns, die mit vier Malzböden (Malt Kilns) verbunden waren. Die Malzböden waren mit Fliesen ausgelegt und wurden mit Torf beheizt. Natürlich verfügte die Brennerei über eine Mühle und ein Mash House, zudem war sie mit einer 12-PS Dampfmaschine ausgestattet. Es gab vier Washbacks mit einer Kapazität von je 8.000 Gallonen, im Still House brannte Glenside ihren Whisky mit zwei Brennblasen, diese bezeichnete Barnard als altmodisch. Die Stills hatten eine Kapazität von 2.483 Gallonen (Wash) und 1.372 Gallonen (Spirit). In fünf Lagerhäusern lagen zu dem Zeitpunkt 1.600 Fässer Whisky, Glenside beschäftigte 12 Personen. Die Gerste wurde aus Stirlingshire angeliefert, der Whisky wurde als Campbeltown Malt in London, Liverpool und Glasgow verkauft. Der Bericht Barnards umfasst auch eine Zeichnung, diese ist hier zu sehen. Sie ist nach UK-Recht mittlerweile gemeinfrei. 

Glenside, 1885 Alfred Barnard


Die weitere Recherche ist mühselig. In den Zeitungsberichten werde ich nicht wirklich fündig…obwohl vielleicht ganz witzig.

Im Februar 1880 haben zwei Polizisten im Nachtdienst eine Bande Einbrecher auf frischer Tat ertappt. Sie sind durch ein eingeschlagenes Fenster bei Glenside eingebrochen und entwendeten 4-5 Gallonen Maische sowie einen hölzernen Bottich. Fünf Täter konnten gefasst und ins Gefängnis eingeliefert werden, das Diebesgut wurde sichergestellt. Jungs….was wolltet ihr mit 22 Litern Maische?

Dann habe ich doch noch etwas gefunden, allerdings Jahrzehnte später. 1991 wurde im Campbeltown Courier ein Foto veröffentlicht, welches 70 Jahre zuvor die Belegschaft von Glenside zeigt.

Glenside 1921 © Wyvex Media Ltd. Image created courtesy of THE BRITISH LIBRARY BOARD


Und dann haben wir da noch den Bericht aus „The Distilleries of Great Britain and Ireland“, der am 14. Februar 1924 entstanden ist. Der letzte Besitzerwechsel soll 1908 gewesen sein, seitdem gab es wohl einige Neuerungen und Verbesserungen in der Brennerei. Die Technik zur Reinigung der Mash-Tun und der Abtransport des Trebers wird beschrieben, auch die Heizsysteme haben wohl beeindruckt. Zudem wird erwähnt, wie viel moderne Technik in den alten Gebäuden eingebaut wurde, sogar eine Zwischenetage musste eingezogen werden - die Brennerei sei mit den notwendigen Geräten bis unters Dach vollgestopft.

Zu den Stills wird leider nichts geschrieben, der wöchentliche Output sei 2.800 Gallonen Spirit gewesen. Während Alfred Barnard 39 Jahre zuvor noch 5 Lagerhäuser für 1.600 Fässer beschrieb, sollen es 1924 nur noch zwei gegeben haben. Eines für 1.600 Fässer, ein weiteres für nur 50 Fässer. Ach ja und der Bericht erwähnt auch die Wasserquelle und empfiehlt der Polizei die Aussprache von „Aucholochie“ zur Überprüfung der Nüchternheit. 

1926 erfolgte die Stilllegung, im Jahr 1931 wurde das Grundstück samt den Gebäuden zur Verkauf angeboten. Im Oktober 1934 sind die zukünftigen Pläne veröffentlicht worden - es sollen Häuser für die arbeitende Bevölkerung gebaut werden. Die Wohnungen sind dann 1936 entstanden, heute kann man sich den Ort westlich der ehemaligen Broad Street (heute New Parliament Place) anschauen. Aber Reste von Glenside wird man da nicht mehr finden. 

Beide Bilder: 1923, British Library, zuletzt im Reprint The Distilleries of Great Britain and Ireland durch James Eadie veröffentlicht.

 
 
 
 
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