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Weitere Abfüllungen - verkostet 2021

Hier finden Sie aus meiner Sicht ganz besondere bzw. herausragende Abfüllungen. Diese können manchmal einfach extrem gut, spannend und komplex sein oder eine besondere Geschichte aufweisen. Ich finde es wert über sie zu berichten, auch wenn die Verfügbarkeit vielleicht eingeschränkt ist oder sie preislich bereits dreistellig sind. Diese Liste wird immer wieder aktualisiert, alle Verkostungen finden Sie auch im Archiv.


September 2021

Stonewood 1818 Single Grain Whisky, 10 Jahre, 45% alc. Ausbau: Limousin-Eiche (Ex-Cognacfass).

Nase: Zitrusfrüchte, Orangen und Zitronen, leicht spritzig und frisch. Dahinter milde Honigtöne, grüner Tee und Apfel, eine leichte Würze und etwas Karamell.

Gaumen: Anfangs sehr leicht und seidig, nimmt schnell Kraft auf, Einiges an Getreidearomen, die Zitrusfrüchte werden von Eichenholz verdrängt. Trester, Weinbrand, schwarze Oliven. Der Whisky wird bitterer, verbranntes Karamell, Kakaopulver und Kaffee.

Abgang: Lang und würzig, mit dem Geschmack von Trester.

Fazit: Grain hat es bei mir ja selten leicht. Die Nase fand ich richtig betörend, wunderbar sanft und angenehm. Gaumen und Abgang werden dann deutlich kräftiger, passen gar nicht mehr so sehr zum ersten Eindruck. Einige Aromen erinnerten mich zu sehr an andere Spirituosen, vielleicht kommt das vom Ex-Cognac-Fass. Schade. 66/100 Punkte. Ich danke der Brennerei für die Probe.


Bruichladdich 2005 - 2015, 10 Jahre. 65,2% alc. Abfüller: Rest & be Thankful Whisky Company. Ausbau: „Cadiz Cask“ (Weinanbauregion Cadiz, Spanien)

Nase: Herrlich, endlich mal wieder ein Schwefelwhisky. Schießpulver und Lokschuppen gehen mir durch den Kopf, der Geruch von Feuerwerk, Streichhölzer. Dazu feuchtes Herbstlaub, überreifer Pfirsich, sehr süß. Mit etwas Zeit kommen dahinter Erdbeermarmelade und Rhabarber.

Gaumen: Extrem kräftig, ein Schwergewicht und der Schwefel ist sofort wieder da, auf die Aromen dahinter muss man sich stark konzentrieren. Wieder Rhabarber, dazu Pfirsich und Stachelbeere, sehr süß. Außerdem schwingt etwas Kräuterartiges mit, sehr speziell.

Abgang: Mittellang bis lang, milder als vermutet. Aber dafür noch mal mit einer fruchtig/süßlichen Schwefelnote, Streichhölzern und mineralischen Aromen.

Fazit: Krass. Noch so jung und schon völlig überlagert, vom eigentlich Stil der Brennerei ist nicht mehr viel übrig. Dafür erhält man aber ein extrem vielschichtigen und spannenden Bruichladdich, der einem Kopfschmerzen bereiten kann. Dafür macht er aber echt Spaß. 85/100 Punkte (2021) 

August 2021

Old Pulteney 2008 - 2020, 12 Jahre, 56,3% alc. Van Wees (The Ultimate). Ausbau: Bourbonfässer, 23 Monate Finish im Sherryfass Nr. 19

Nase: Sanfter als erwartet, vom Alkohol keine Spur.  Wirkt ein wenig verschlossen. Dann kommen Vanille und getrocknete Aprikosen, Meersalz, Nüsse. Eine angenehme Mischung zwischen salzig und süß/fruchtig. 

Gaumen: Richtig kräftige Sherryaromen, zu den getrockneten Aprikosen gesellen sich Datteln, Schokolade und gesalzene Nüsse. Kräftige Eichenholzwürze, Zimt, bittere Aromen von Espresso. 

Abgang: Mittellang, noch einmal sehr kräftig, wird schnell trockener und verbleibt würzig in Erinnerung. 

Fazit: Diese Abfüllung hat ein richtig schönes Finish bekommen. Die Vanille der Bourbonfässer kommt durch, die Sherryfässer haben aber die Oberhand. Ein sehr stimmiger Whisky, wenn auch anfangs ein wenig zurückhaltend. 84/100 Punkte. Ich danke Helge Biering für die Probe.


mettermalt Single Cask Emmer Whisky, 5 Jahre, 52,4% alc. Ausbau: kleines 45-Liter Sherryfass, limitiert auf 80 Flaschen 

Nase: Fruchtig und süß, angenehmer Antritt. Typische Sherryaromen kommen auf. Trockenfrüchte, Sultaninen, getrocknete Orangen, Mandeln und Süßholz. Dazu kommt ein wenig Buchweizenhonig. 

Gaumen: Kräftig und süß. Rosinen, Datteln, Brauner Zucker, etwas Muskat. Einiges an würzigem Holz, eine Spur Zimt. Dahinter leichte Bitterschokolade.

Abgang: Lang und wärmend, die Trockenfrüchte bleiben, die Süße auch. Dazu prickelnde Noten von Zimt, auch der Honig kommt kurz noch mal hervor. Zum Ende hin trocken.

Fazit: Ein wunderschöner Whisky. Kleines Fass, viel Kontakt zum Holz - ein herrlicher Tropfen. So macht Whisky Spaß! 88/100 Punkte (2021). Ich danke dem Hersteller für die Probe. 


Ben Nevis 2013 - 2021, 7 Jahre, Signatory Vintage, 46% alc. Ausbau: Bourbon Hogsheads 421 + 423

Nase: Stechend alkoholisch, was ist denn das? Danach mürbes Obst, Banane, etwas Getreide und scharfe Gewürze. Ingwer vielleicht, oder einfach nur Alkohol. Vanille lässt sich erahnen, aber viel haben die Fässer nicht abgegeben. 

Gaumen: Bitter und würzig, leicht ölig. Grapefruit, Banane und erkalteter Espresso, Kakao, undefinierbare Süße. Der Alkohol ist weniger präsent, die Bitterkeit erschlägt dafür alles. 

Abgang: Wärmend und ölig, starke Bitterkeit die lange anhält. Es bleibt ein sehr unangenehmes Mundgefühl zurück. 

Fazit: Ich gebe Kaufempfehlungen, manchmal halte ich mich dezent zurück und manchmal liest man meine Kritik einfach im Fazit. Aber dieser Ben Nevis ist so unterirdisch schlecht, nicht kaufen! Und wenn schon getan, dann direkt den Retourenschein ausfüllen. Nase alkoholisch, alles andere ungenießbar bitter. 2021 bisher der schlechteste von mir probierte Whisky, vielleicht sogar der schlechteste ever. Wahrscheinlich der Versuch aus zwei fehlgelagerten Fässern eine gute Abfüllung zu machen. Selbst der Blend „Dew of Ben Nevis“ ist dieser Abfüllung meilenweit überlegen. Eventuell wollte da jemand frech sein, ich fühle mich beleidigt. 52/100 Punkte (2021)


Old Pulteney 2008 - 2020, 11 Jahre, Signatory Vintage (für whisky.de). 56,4% alc. Ausbau: unbekannt, abschließend Nachreifung für 22 Monate im Oloroso Sherryfass Nr. 1 

Nase: Sirupartig, sehr süß und würzig. Dunkle Beeren in feuchtem Keller, Erdbeermarmelade, Kandiszucker. Auch Trockenfrüchte sind dabei. Gewürze werden stärker, viel an Sherryaromen und etwas Schwefel. Die Nase ist schon sehr wuchtig und man kann sich viel Zeit nehmen. Der Alkohol ist gut eingebunden. 

Gaumen: Wieder die Früchte, die Süße nicht ganz so stark. Getrocknete Erdbeeren, matschige Himbeeren, Malz und Rohrzucker. Dazu paaren sich Eichenholz, eine Spur Espresso und Kakao.

Abgang: Mittellang und trocken. Die Fruchtaromen kommen noch einmal auf, besonders Süßkirschen, dann verabschiedet sich der Whisky mit dunkler Schokolade, ja fast schon trockenem Kakaopulver. 

Fazit: Keine Ahnung wie der Whisky vor dem 22-monatigen Finish war, der Brennereicharakter der Originalabfüllungen wird definitiv überdeckt, das Finish war fast schon ein wenig zu lang. Insgesamt bekommt man hier einen sehr spannenden und nicht ganz einfachen Sold Pulteney. 

85/100 Punkte (verkostet 2021). Ich danke Helge Biering für die Probe.


Inchmoan (Loch Lomond) 2001 - 2005, 45% alc. Originalabfüllung (Distillery Select). Ausbau: Bourbonfass Nr. 48

Nase: Erst einmal riecht dieser Whisky nach Maische, wie bei einem Besuch der Brennerei. Dazu ist der Alkohol noch sehr deutlich, eher mittelprächtig eingebunden. Dazu Pfirsich und mildes Raucharoma, etwas Lavendel und mit etwas Zeit drängt ein Hauch Vanille in den Vordergrund.

Gaumen: Malz, ziemlich viel Malz, passt zur Maische. Dazu wird der Torfrauch deutlich stärker, etwas Ingwer und ne menge bunter Pfeffer. Aber alles schnell vergessen. 

Abgang: Lang, wird wieder deutlich alkoholischer, dazu der Rauch wirkt ziemlich scharf und erinnert an manche Talisker. Der Rauch bleibt länger und hinterlässt den Geschmack einer billigen Ziggarette. 

Fazit: Das ist ein sehr besonderer Whisky für sehr besondere Menschen. Einzelfassabfüllungen sollen ja die besonderen Qualitäten einer Brennerei hervorheben. Entweder galt hier das Zufallsprinzip oder der Mitarbeiter war betrunken, anders ist die Abfüllung nicht zu erklären. Heutige Abfüllungen der Brennerei sind auf einem ganz anderen Niveau. Definitiv eine Erfahrung.  72/100 Punkte (2021)


Ballechin (Edradour) SFTC, 11 Jahre, 60,4%  Ausbau: Oloroso Sherry Cask Nr. 17,  Region: Highland, Schottland 

Nase: Der Torfrauch ist spürbar, dahinter direkt eine Mischung aus Trockenfrüchten und mariniertem Fleisch vom Grill, dazu Karamell und eine leicht blumig duftende Seife. Mit etwas Zeit wird der Rauch wieder es stärker, wirkt dabei sehr elegant und bringt jede Menge Holzaromen mit sich. 

Gaumen: Viel mehr Frucht und Süße, der Alkohol ist wunderbar eingebunden. Rosinen, Pfeffer, Beerenmarmelade, Schinken, ein Hauch Grapefruit. Die Süße ist sehr dominant. 

Abgang: Lang, wieder rauchiger, sie Süße keimt noch mal auf und verschwindet dann in einem trockenen Abgang. Dazu ein wenig Espresso.

Fazit: In seiner Gesamtheit ein richtig genialer Whisky. Allerdings gibt es einige, die das manchmal leicht seifige Aroma von Edradour abschreckt. Keine Angst, einfach probieren - diesen Single Malt sollte man nicht unversucht stehen lassen. 87/100 Punkte (2021)



Rosebank 1988 - 1997, 40% alc. Gordon & MacPhail (Connoisseurs Choice)

Nase: Oh, wunderschön fruchtig, aber alles ein wenig überreif. Mürbe Äpfel, Himbeermarmelade, ein paar matschige Brombeeren. Außerdem einiges an feuchten Kelleraromen, mit der Süße wirkt das sogar richtig harmonisch. Etwas milde Banane, ein Hauch Papaya, feuchtes Heu.

Gaumen: Eistee mit Pfirsichgeschmack, milde Gewürzaromen und der Alkohol bringt eine Spur Pfeffer mit. Dazu wieder Äpfel, diesmal aber noch nicht ganz so reif.

Abgang: Kurz, die Süße klingt schnell ab. Pfeffer kommt auf, Ingwer folgt. Hier zeigt sich nun auch der Alkohol klar und deutlich.

Fazit. Die Nase ist ein Traum, wunderschön und spannend. Wirkt dieser Rosebank anfangs etwas flach, braucht es ein paar Minuten, bis er sich voll entfaltet. Der Gaumen schlägt dann eine würzigere Richtung an, der Abgang ist eher enttäuschend und kann nicht mithalten. 80/100 Punkte (verkostet 2021)



 

 
 
 
 
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